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Rotterdam or anywhere

Mitte Juli hatte Noe Bisaz, lernender Interactive Media Designer bei 08EINS, die einmalige Gelegenheit, an der Storytelling-SummerSchool des Grafisch Lyceum Rotterdam (GLR) teilzunehmen. In der SummerSchool 2018 arbeiteten Lernende in den Bereichen Grafik, Media-Design, Video und Photographie aus den Niederlanden, Surinam und der Schweiz gemeinsam an einem Projekt. Im Interview erzählt Noe von seinen Erfahrungen und zieht einen Vergleich zwischen der Ausbildung in der Schweiz und derjenigen in den Niederlanden.

Noe (vorderste Reihe, 4. von rechts) und seine Kollegen der SummerSchool 2018

Wie bist du dazu gekommen, die SummerSchool in Rotterdam zu besuchen?
Das lief über meine Berufsschule in St. Gallen. Das GLR ist die Partnerschule meiner Berufsschule. Das SummerCamp wurde bei uns ausgeschrieben und ich habe mich mit einem Motivationsschreiben dafür beworben.

Ist das GLR auch eine Berufsschule?
Ähnlich. Das Berufsbildungs-System in den Niederlanden ist anders als bei uns. Es gibt keine Lehre wie bei uns mit einem Lehrbetrieb. Die Lernenden dort gehen hauptsächlich zur Schule und machen dazwischen Praktika bei Unternehmen. Das GLR ist für die Ausbildung unzähliger Berufe in Bereichen wie Grafik-Design, Audiovisuelle Medien oder Appliaktionsentwicklung zuständig.

Wie viele Leute waren mit dir in der SummerSchool?
Insgesamt waren wir wohl so um die 60 Leute aus den Niederlanden, der Schweiz. Zwei kamen aus Surinam.

Wie sah euer Programm aus?
In der ersten Woche hatten wir unterschiedliche Kurse in Photographie, Video, Filmschnitt und Audiobearbeitung. Ausserdem konnten wir selber zwei TV-Shows im Studio produzieren, die live gestreamt wurden. In der zweiten Woche stand eine Projektarbeit auf dem Programm.

Wie war der Unterricht im Vergleich zu dem an deiner Schule?
Der Unterricht ist praktischer. Wir konnten viel üben. Ausserdem hatten sie einen riesen Fundus an Material. Zum Beispiel hat die GLR ein eigenes TV-Studio. Ich denke beide Punkte – der praktische Unterricht und die Fülle an Material – hängen damit zusammen, dass die Berufsbildung dort mehrheitlich in der Schule stattfindet und sie daher im Unterricht mehr Praxisbezug herstellen müssen. Wir hier in der Schweiz können die erlernte Theorie aus der Schule direkt im Lehrbetrieb anwenden.

Worum ging es beim Projekt in der zweiten Woche?
Wir sollten für eine junge Indie-Band aus der Region einen Videoclip drehen. Von der Konzeption über das Storyboard, die Dreharbeiten bis zum Schnitt. Wir wurden in vier Teams eingeteilt. Ende der Woche entschied die Band dann, welchen Clip sie übernehmen wollte.

Wie ist das abgelaufen?
Wir haben uns den Song angehört und uns überlegt, was für eine Geschichte wir erzählen könnten. Ein grober Zeitplan wurde uns vorgegeben. Darin konnten wir uns grundsätzlich frei bewegen. In einem halben Tag haben wir das Konzept geschrieben. Wir wollten mit viel Lichteffekten arbeiten und natürlich auch das Studio nutzen. So eine Gelegenheit hat man nicht allzu oft.

Was war die Idee hinter dem Clip?
Das Lied heisst Longrun. Wir wollten darstellen, wie jemand von Schatten verfolgt wird und davonläuft. Für die Lichteffekte haben wir einige Aufnahmen in der Nacht gemach – bis drei Uhr morgens.

Wie zufrieden bist du mit dem Resultat eurer Arbeit?
Cool ist natürlich, dass unser Clip dann gewonnen hat. Die erste Hälfte gefällt mir besser. Da war der erfahrenere Cutter noch mit dabei. Er fiel dann leider aus, was man meiner Meinung nach gegen Ende des Clips auch merkt.

Gab es Unterschiede in der Arbeitsweise zwischen Schweizern und Niederländern?
Wir Schweizer waren beim Konzepten viel fitter als die Niederländer. Wohl weil wir im Lehrbetrieb auch immer mal wieder konzeptionell arbeiten. Dafür hatten Sie die Nase beim Filmen und Schneiden vorne. Gemeinsam haben wir gut abgeliefert.

Was bleibt dir in Erinnerung von den beiden Wochen?
Es war eine sehr coole Sache. Das ganze technische Material, die Kameras, das Studio und der Schneideraum mit mehreren Bildschirmen waren beeindruckend. Überhaupt hat mir das Video-Projekt gut gefallen. Die Dreharbeiten waren super, die Auswahl des Materials sehr herausfordernd und der Cut definitiv kein Kinderspiel.

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